Special "Alternative Krautminderungsverfahren"

Mit der laufenden Diskussion um die Wiederzulassung des dominierenden chemischen Sikkativs nimmt das Interesse an alternativen Krautminderungsverfahren auf den Kartoffelbetrieben wieder zu. Aus diesem Grund werden im Special „Alternative Krautminderungsverfahren“ nicht nur ein Systemvergleich verschiedener chemischer Verfahren, sondern auch unterschiedliche mechanische Verfahren, wie Schlegeln oder Rupfen und Schneiden präsentiert. Auch werden die Wirkungen von physikalisch-thermischen Verfahren gezeigt, sei es durch Flämmen oder Strom.

Sikkative 

Im konventionellen Anbau hat sich die alleinige Sikkation bzw. eine Kombination aus Schlegeln und Sikkation bewährt, da das Krautschlagen als alleinige Krautminderungsmaßnahme in den meisten Fällen nicht ausreicht, um einen Wiederaustriebs der Bestände sowie der damit einhergehenden Ertrags- und Qualitätsbeeinträchtigungen zu vermeiden. Zur vollständigen Beendigung des Pflanzenwachstums stehen in Deutschland gegenwärtig vier chemische Sikkative mit unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten und Wirkungssicherheiten zur Verfügung.

Die Vergleiche werden unterstützt von der Firma Belchim Crop Protection.


Krautschläger

Durch den Krautschläger wird das Kartoffelkraut je nach Zielsetzung und Einstellung der Maschine entweder auf dem Damm abgelegt oder zwischen die Dämme befördert. Letzteres ist zwingend notwendig, wenn der Krautschläger eine chemische Maßnahme vorbereitet, dann muss der Stängel zugänglich bleiben. In diesem Fall ist auf optimale Schlegelqualität 

zu achten. Beim Einsatz der zumeist vierreihigen Krautschläger muss der Bestand jedoch ganzflächig Spur an Spur befahren werden, wodurch der Krautbehandlungstermin sehr viel stärker von der Feuchte des Bodens abhängig wird als bei einer die Fahrgassen nutzenden Feldspritze. Hinzu kommt beim Krautschlagen, insbesondere im Vermehrungsanbau, die ansteigende Gefahr der Virus- und Bakterienübertragung, die dem Ziel einer gesunden Pflanzguterzeugung entgegensteht.

Der Krautschläger wird gestellt von der Firma GRIMME Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG.

 

Thermische Krautminderung

Für die thermische Krautminderung herrschen in der Praxis Geräte mit einer Arbeitsbreite von 3 m vor, so dass die Flächenleistung gegenüber einer Pflanzenschutzspritze deutlich zurückgeht. Als Energieträger dient bei der thermischen Krautminderung Gas, das über unterschiedliche Brenner mit offener Flamme oder spezielle Infrarotstrahler in Wärme umgesetzt wird, die die Pflanzenzellen schädigt, aber die Pflanzen nicht verbrennt. Um die Wärme möglichst lange und effektiv zu nutzen, sind die durchgehenden Brennräume der Geräte an allen Seiten durch feste bzw. flexible Abgrenzungen geschlossen und verfügen z. T. noch über unterstützende Gebläse zur besseren Verteilung der heißen Luft. Für eine tiefgreifende Wärmewirkung ist eine erheblich geringere Fahrgeschwindigkeit als beim ersten Einsatz erforderlich, was einen entsprechend höheren Gasverbrauch bei gleichzeitig noch weiter reduzierter Flächenleistung nach sich zieht. Das Abflammen kommt zur finalen Sikkation der Reststängel im ökologischen Anbau zum Einsatz. 

Das Gerät zum Abflämmen des Kartoffelkrautes wird gestellt von der Firma Ruthenberg Landtechnik

 

Electroherbverfahren

Beim Electroherbverfahren wird elektrische Hochspannung mittels Metallapplikatoren durch Pflanzen geleitet und der Stromkreis mit einem zweiten Applikator auf dem Boden oder weiteren Pflanzen geschlossen wird. Dabei werden Zellen in durchströmten Blättern, Stiele und Wurzeln ohne relevante Hitzeeinwirkung soweit zerstört, dass die Wasserversorgung in der Pflanze unterbrochen wird und die Pflanze austrocknet. Da kein Boden bewegt wird, bleibt der Lebensraum ungestört erhalten und Bodenlebewesen werden nach aktuellem Versuchsstand bei Nutzung im normalen landwirtschaftlichen Anwendungsrahmen nicht relevant geschädigt. Wie auch bei chemischen Herbiziden, jedoch ohne die Nachteile von Rückständen und Wartezeiten, kann auch das Electroherbverfahren durch entsprechend niedrige und gleichmäßige Dosierung zur Sikkation von Feldfrüchten eingesetzt werden. Auf der PotatoEurope 2018 werden die Ergebnisse des zweiten Versuchsjahres zur Kartoffelsikkation erstmalig vorgestellt. Ziel ist es hierbei, ein effizientes Ersatzverfahren für die breite Landwirtschaft bereitzustellen, das geeignet sind, hochwertige Kartoffeln umweltschonend auch ohne chemische Sikkationsmittel und wenn möglich auch ohne weitere mechanische oder thermische Verfahren zu erzeugen.

Das Electroherbverfahren wird anhand eines Gerätes der Firma Zasso Group gezeigt.

 

Krautrupfer

So lassen sich nach dem Krautschlagen auch mehrreihige Krautrupfer einsetzen, die die Stängel aus dem Boden ziehen und damit die Verbindung zwischen den Reststängeln und dem Knollennest unterbrechen. In Kombination mit dem Krautrupfen oder als Sologeräte sind zudem noch Wurzelschneider einsetzbar, die mit breiten Messern den Damm unterfahren und die Wiederaustriebsgefahr der Pflanzen weiter einschränken sollen. 

Mit freundlicher Unterstützung der Firma REMA aus den Niederlanden.

 

 

 

 

Das Special „Alternative Krautminderungsverfahren“ wird durchgeführt von der DLG in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Versuchsstation Dethlingen (VSD) und der SEG (Saatguterzeugergemeinschaft in Niedersachsen e.V.).